Rabenmutter Das Einsteigerseminar

Einsteigerseminar: Wie werde ich eine gute Rabenmutter?

Hallo liebe Wolke,
hast du auch manchmal so wenig Zeit?
Heute ist der letzte Kindergartentag vor den Ferien. Und außerdem ist heute das erste Kindergartenjahr vorbei. Schwupps, hat’s gemacht, da konnte ich gar nicht so schnell zuschauen, wie die Zeit vergangen ist.
Einmal „Schwupps!“ und rum ist ein Jahr – ein Jahr, das pickepackevoll war mit Ereignissen und Erlebnissen und Erschütterungen und lauter „Er-“s, die einem sonst noch so einfallen.
Ab morgen heißt es für drei lange Wochen:
Der Kindergarten ist geschlossen!
Entschuldigung, ich weine nicht, ich hab‘ bloß was im Auge.

Rabenmutter – mal wieder.

Alle so: Yeah! Ferien! Zeit für die Kinder!
Ich so: Joa.
Ja, das hört sich jetzt verdammt herzlos an. Ich weiß.
Der Kindergarten ist allerdings etwas, das mir im letzten Jahr so unfassbar viel Freiheit geschenkt hat, dass ich manchmal gar nicht weiß wohin mit meiner Dankbarkeit. Und Freude.
Wer mich kennt, wer das hier liest, der weiß ja ungefähr, wie sehr ich mein kleines Leben lieb habe – da darf man also bitteschön nicht auf den Trichter kommen, ich würde meine Tochter gern abschieben, die Füße dann auf den Tisch legen, mir die Mon Chèris zur Brust nehmen und mit einem langgezogenen Gesicht am Nachmittag wieder zu Kita latschen, um schlecht gelaunt den Resttag zu verbringen. Dankeschön. So ist das nämlich nicht. Denn wir beide, mein kleines Leben und ich, wir haben vom Kindergarten viel gelernt. Sehr viel.

Leben fürs Lernen. Oder umgekehrt.

Meine Tochter hat letztes Jahr endlich gelernt, aufs Klo zu gehen. Halleluja! Der Kindergarten ist nicht ganz unschuldig daran. Und ich habe gelernt, wieder allein aufs Klo gehen zu dürfen. Unglaubliche Glücksgefühle löst das aus, das kann man sich gar nicht vorstellen, wenn mal niemand neben einem steht und einen beim Pieseln beobachtet, als wäre man eine Weltsensation. Meine Tochter hat gelernt, auf einer geraden Linie Dinge auszuschneiden. Und ich habe gelernt, mal wieder Fünfe gerade sein lassen zu können und nicht einem Kleinkind nachspurten zu müssen, beim Laufrad fahren. Zum Beispiel. Das klappt nämlich jetzt ganz von allein.
Ich habe gelernt, dass das Basteln ja doch ganz nett sein kann, wenn man es nicht ständig machen muss und die Bastelei im Kindergarten die kleinkindliche Bastelleidenschaft meistens voll und ganz befriedigt.
Meine Tochter hat gelernt, größer zu werden. Ich habe gelernt, in den kinderlosen Stunden ein bisschen kleiner zu werden und den Verantwortungsrucksack kurz in die Ecke zu stellen, um in Seelenruhe drum herum Staubzusaugen. Ich habe gelernt, wieder für mich ganz allein da sein zu dürfen.
Gelernt haben wir beide, uns ein bisschen loszulassen. Und das war das Schwierigste von allem, das kann ich dir sagen, liebe Wolke, das war wirklich sehr, sehr, sehr schwierig. Das 24/7 Aufeinanderhocken hat uns beiden nicht gut getan.
Wir haben sagenhaft viel gelernt.

Bereitschaftsdienst

Drei Wochen kein Kindergarten; bedeutet für mich, wieder 24/7 Bereitschaftsdienst zu haben (den man ja sowieso immer hat, als Mama (Papa, Eltern)), und keine fünf Sekunden zum Durchschnaufen – und vom Basteln ganz zu schweigen. Ich hab ein paar Dinge rausgesucht, die wir unternehmen können, und darauf freue ich mich. Ehrlich.
Ich freu mich aber genauso auf Ende August, wenn wir für ein paar Stunden getrennte Wege gehen, wenn wir, jeder für sich, Dinge machen können, bei denen der andere nicht unbedingt, zwangsläufig, dabei sein muss.
Ich: Arbeit! (Und ich so: YEAH!)
Meine Tochter: Kindergarten (Und wir beide so: YEAH!)

Zwischendurch kommt bestimmt mal der Opa, damit sich die beiden wieder so toll im Garten verstecken können, dass man sie garantiert nicht findet.

Zwischendurch werden wir ganz sicher auch gemeinsam Dinge lernen, die man eben nur lernen kann, wenn man zusammen ist, wenn man sich an der Hand hält und man sich gegenseitig Dinge zeigen kann, die man noch nicht wusste.

Rabenmutter?

Ich finde, man ist keine Rabenmutter, wenn man ein paar Stunden auch ganz gut ohne sein Kind aushalten kann. Denn man ist ja auch noch ein Mensch – und nicht „nur“ Mutter. Vielleicht gibt es Mamas, die sehen das anders, die finden das blöd, was ich sage, aber glaub mir, liebe Wolke: Ein festes Band zu haben, das bedeutet auch, es etwas locker lassen zu können, denn die Liebe verschwindet ja nicht, wenn man sich kurz mal nicht sieht.

Der Kindergarten ist mein Freiheitsgeber. Und den werde ich in den nächsten drei Wochen ziemlich vermissen. Aber Ferien zu haben, das ist immer schön. Besonders im Sommer, besonders mit einem kleinen Leben, und ein Himbeereis schmeckt allein gar nicht so richtig gut.

Auf eine schöne Zeit, meine Wolke!

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